Lange Nacht in MeißenVielfätiges Programm in der Stadt bei 14 Veranstaltern
am 19. Juni 2010, 18.oo bis 1.oo Uhr
Erneut lädt die Porzellan- und Weinstadt Meißen gemeinsam mit 14 kunst- und kulturträchtigen Veranstaltern zu einer „Langen Nacht“ ein. Albrechtsburg, Dom, Evangelische Akademie, Hafenstraße e. V., Thürmer-Pianoforte-Museum, Kunstverein e. V., Schloss Siebeneichen, Prälatenhaus, Porzellan-Manufaktur, Rosengasse 3, Stadtbibliothek, Stadtmuseum, Theater und das historische Rathaus öffnen am Sonnabend, den 19. Juni, bis in nächtliche Stunden ihre Pforten.
Das Anliegen der Veranstalter besteht darin, den Besuchern aus Nah und Fern einen ungewöhnlichen wie originellen Zugang zu Kunst, Kultur und Architektur zu ermöglichen. 20 Veranstaltungsstätten bieten ab 18 Uhr mit Ausstellungen, Führungen und Besichtigungen, 82 farbige Programm-Bausteine unterschiedlichster Art an.
Im Jahr des 300. Geburtstages der Porzellan-Manufaktur steht die Mitwirkung dieser traditionsreichen Kulturstätte im Mittelpunkt des Interesses. „Die Lange Nacht“ soll alle Sinne der Besucher ansprechen und die ganze Bandbreite der Kunst und Kultur zelebrieren: z. B. Lesungen über Liebe, Meissener Porzellan und kulinarische Köstlichkeiten, Musik von Klassik über Jazz bis Orgel und Synthesizer, Ballett der Palucca-Schule, vom Tanzstudio und aus Indien, Flohmarkt, Filme, Märchen, „mittelalterliche Kurzweyl“. Bereits 17.30 Uhr eröffnet die Musikschule „Mit Pauken, Trompeten und klingendem Porzellan“ im Schmuck tausender Blumen, Blüten und Blätter auf dem Marktplatz die schönste Nacht Meißens. Seien Sie abschließend, nach hoffentlich bezaubernden und beeindruckenden Kunst- und Kulturerlebnissen, pünktlich 24 Uhr auf dem Burghof zum großen Finale „Harlekin – Porzellan-Puppen zum Leben erweckt“, herzlich eingeladen.
Der Kunstverein lädt Sie und Ihre Freunde herzlich zur Langen Nacht ins Bennohaus:
Programm
ab 18 Uhr:
„Das große Fressen“ als kulinarische Aktion vom Busen-Pudding bis zur Rosenbowle
jeweils 19.00, 19.45, 20.30, 21.10 Uhr:
Beate Baum liest Kurzgeschichten zum Thema „Das große Fressen“
jeweils 19.30, 20.15 und 21.00 Uhr:
Gespräch mit Marie-Luise Meyer zu ihrer Ausstellung „Delikatessen“
Informationen:
Nutzen Sie die Parkmöglichkeiten an der
Elbe und den kostenlosen Pendelverkehr
zwischen den Kultstätten von 18.00 bis
22.00 Uhr gemäß Fahrplan.
Eintrittskarten sind bei allen Veranstaltern
und in der Tourist-Information
erhältlich.
Diese gelten für alle o. g. Programme.
Eintrittspreise: normal 7,00 €,
ermäßigt 5,00 €, Familienkarte 15,00 €.
Ermäßigung: Schüler, Studierende, Auszubildende,
Zivil- u. Wehrdienstleistende,
Erwerbslose und Schwerbehinderte.
von Marie-Luise Meyer
„Delikatessen“ von Marie-Luise Meyer ist die zeitgenössische Variante einer Kunstform, die schon im alten Rom, in der Renaissance und besonders im Barock beliebt war: das Schaugericht.
„Schaugerichte“ waren Teil der an Üppigkeit und Skurilität kaum zu überbietende höfische Tischkultur des 18. Jahrhunderts, wo sie für den Triumph über den Hunger und die Machtrepräsentation des jeweiligen Gastgebers stehen. Zur Befriedigung aller Sinne und mancherlei Lüste wurde die Tafel als Gesamtkunstwerk inszeniert.
In ihrer handwerklichen Perfektion, der Liebe für Details und dem phantasievollen, hintersinnigen Arrangement sind Meyers "Delikatessen" Referenzen an die historischen Vorbilder.
Anders als bei diesen wird hier jedoch noch mit der Irritation unserer Wahrnehmung gespielt. Die Arbeit will nicht die Illusion von etwas Essbarem provozieren. Marie-Luise Meyers "Delikatessen" sind kein Gericht. Ihre Wirkung ist ambivalent: Auf den ersten Blick serviert die Künstlerin ein schmackhaft aussehendes Mahl, das Verlangen weckt, es zu essen. Doch spätesten auf den zweiten Blick und bei genauem Hinsehen fragt man sich, was da eigentlich angeboten wird? Das vermeintliche Essbare entpuppt sich als unberechenbar und überraschend fürchterlich. Auf dem Gemüseteller findet sich kein Gemüse und was auf der Schlachteplatte ist möchte man gar nicht so genau wissen, die Ingredenzien der Pasteten sind nicht weniger zweifelhaft.
Marie-Luise Meyers üppig gedeckte Tafeln lassen ahnen, welche Strafe die Sünde des unkontrollierten Genusses nach sich zieht.
"Delikatessen" ist ein wunderschön anzusehender, aber Furcht erregender Augenschmaus.
Zu sehen im Kunstverein Meißen vom 16. Mai bis 19. Juni 2010.