Kunstverein Meißen e.V.
21. September bis 19. Oktober 2008
Kurator/Laudatio: Daniel Bahrmann
Eröffnung: am Sonntag, 21. September 2008, 11.00 Uhr
Die Künstler werden anwesend sein.
Landschaft
Gemeinschaftsausstellung
Vom 21. September bis zum 19. Oktober 2008 zeigt der Kunstverein Meißen, Malerei und Grafik von Künstlern aus dem Verein und eingeladenen Gästen zum Thema Landschaft.
Die Vernissage findet am 21. September, 11 Uhr im Kunstverein im Bennohaus am Markt in Meißen statt. Die Darstellung der Landschaft in Aquarell, Öl und Radierung ist hier in der Region stark ausgeprägt und von hoher Qualität. Hier stehen Künstler im Dialog mit der Natur und dem wie der Mensch diese formt und zeigen neue Sichtweisen auf scheinbar sehr Bekanntes. Viele Künstler schöpfen aus einer langen Tradition, die nicht erst mit Caspar David Friedrich und Ludwig Richter beginnt. Dennoch ist Romantik, gerade auch in der Landschaftmalerei, von überraschender Aktualität. Um diese aktuellen Arbeiten nun zu zeigen, nutzt der Kunstverein die Änderung im Ausstellungsplan und schafft damit einen Überblick über die Künstler, die sich mit der Landschaft um Meißen auseinandersetzen.
Landschaft - Rede zur Eröffnung
Herzlich Willkommen zur heutigen Vernissage im Kunstverein Meißen.
Leider ist die eigentlich geplante Ausstellung mit Heiner Lucas vom Künstler kurzfristig abgesagt worden. Aus diesem Grunde findet nun eine Ausstellung mit Künstlern aus dem Verein zum Thema Landschaft statt. Wir haben dazu aufgerufen Bilder für diese Ausstellung bereitzustellen, die Landschaft zeigen. Landschaft, so wie der Künstler den Begriff versteht.
Das Wort Landschaft hat seine Wurzel im Althochdeutschen, denn historisch gesehen bezeichnet der Begriff „Landschaft“ die Vertretung der Landstände (Klerus, adelige und bürgerliche Gutsbesitzer, später auch freie Bauern) gegenüber dem Landesherrn. Seit dem Mittelalter waren Landschaften - später meist Landtag genannt - Vorläufer unserer heutigen Parlamente.
Erst seit dem späten Mittelalter wurde der Begriff auf eine noch heute übliche rein geographische Bedeutung eingeengt. In der Malerei der Renaissance bürgerte sich der Begriff Landschaft als Bezeichnung für die Darstellung eines Ausschnitts aus einem Naturraum ein.
Der Landschaftsbegriff, hat seine heutige Bedeutung primär in der Alltagssprache erlangt und ist mit semantischen Inhalten konnotiert, die letztlich auf physiognomische Begriffe wie Harmonie, Schönheit, Einheitlichkeit, Ganzheit, Eigentümlichkeit, Vielfalt und Abgrenzbarkeit hinauslaufen.
Sowohl in Literatur als auch in Fachbüchern wird Landschaft in vier Bedeutungen benutzt, denen gemeinsam ist, dass einer Landschaft ein einheitlicher Charakter zukommt:
ein geographisch relevanter Raumausschnitt (Elbtal)
Malerische Ansicht auf ein räumliches Objekt, das von einer Horizontlinie umfasst wird (das gewöhnliche Landschaftsbild).
Sichtbarer Ausschnitt der Erdoberfläche, der von einem Punkt aus überschaubar ist (Blick von der Boselspitze).
Sinnsymbol für das moderne Subjekt, das Sinn im Außenraum ästhetisch vergegenwärtigt (waldschlösschen).
Das optische Erscheinungsbild einer Gegend und deren Rezeption durch den Betrachter, präzisiert man als Landschaftsansicht, Landschaftsbild und geht in dieser Form auf die Landschaftsmalerei zurück, die sich im Laufe des 17. Jahrhunderts als eigenständiges künstlerisches Sujet in den Niederlanden entwickelt.
Betrachtet man Landschaft als Grundlage menschlicher Existenz und Ausdruck menschlicher Handlungen und Ordnungsvorstellungen, wird Landschaft als statischer Idealzustand betrachtet, wobei Landschaften, die diesem entsprechen, gewöhnlich als ‚gesunde Landschaft’ verstanden werden.
Andererseits ist Landschaft in ständiger Dynamik begriffen, weil die landschaftlichen Objekte dem Nutzung und dem Wandel unterliegen.
Dieser Widerspruch liegt im Landschaftsbegriff begründet, der ästhetische Aspekte mit materiellen Eigenschaften eines Raumausschnitts verknüpft.
Dadurch bekommt der Landschaftsbegriff zugleich normative Aspekte, wie sie z. B. in der Landespflege und Landschaftsarchitektur, im Heimat- und Naturschutz benutzt werden.
Dieser Landschaftsbegriff bildet den semantischen Hintergrund, von dem wir hier heute weitere Bestimmungen ableiten werden.
Ein kurzer kunsthistorischer Rückblick:
Mit dem Beginn der Renaissance und der Entdeckung der Perspektive durch Filippo Brunelleschi 1410 und andere, wurden auch für die Landschaftsmalerei neue Voraussetzungen geschaffen, den dreidimensionalen Raum einer Landschaft in einem Bild darzustellen.
Die in den Niederlanden entwickelte Ölmalerei schließlich, eröffnete durch die leuchtende Brillanz der Farben, durch feinste Farbabstufungen, durchscheinende Lasuren und einer neuen und grundsätzlichen Aufmerksamkeit für das Spiel von Licht und Schatten im Bild auch für die Landschaftsmalerei neue Möglichkeiten der Erfassung von Raumwirkung, Atmosphäre und von Licht- und Luftphänomenen.
Im 16. Jahrhunderts entstand nördlich der Alpen ein neues, vorher unbekanntes Naturempfinden. Die Natur erhielt in Bildern der Donauschule einen eigenständigen Rang; Naturstudien ohne Menschendarstellungen sind keine Seltenheit. Das erste reine Landschaftsgemälde ohne jegliche Figuren ist das Bild Donaulandschaft mit Schloss Wörth, entstanden um 1522 von einem Maler der Donauschule, Albrecht Altdorfer. Frühe Beispiele aus dem nördlichen Europa für die Wiedergabe einer konkreten Landschaft - des Genfer Sees – ist Der wunderbare Fischzug des Konrad Witz. Sowohl in Venedig als auch in Florenz fanden die Anregungen aus dem Norden und die Entdeckungen der Perspektive in Italien auf unterschiedliche Weise ihren Niederschlag.
Leonardo († 1519), von dem auch die erste reine Landschaftszeichnung stammt, stellte als Hintergründe einiger seiner Gemälde, wie der Felsgrottenmadonna und der Mona Lisa keine Abbilder einer realen Natur dar. Diese Landschaften sind vielmehr eine Art Überblick über die elementaren Erscheinungsformen der Natur: Erde, Wasser, Fels und Luft, Nähe und Ferne, Wärme und Kälte.
Ab Mitte des 16. Jahrhunderts kam es in der Niederlanden zu einer ersten Blüte der Landschaftsmalerei, die mit den Namen Hieronymus Bosch und Pieter Breughel verknüpft ist.
Mit der Wende zum 17. Jahrhundert wurde die Landschaft, bisher nur Schauplatz mythologischer oder historischer Szenen, zu einem eigenen Bildthema. Das Genre fächerte sich bald eine Reihe von Themen auf, auf die sich die einzelnen Maler konzentrierten. Es gab Spezialisten für Phantasielandschaften, italianisierende Landschaften, Gebirgs-, Wald-, Küsten- und Flusslandschaften, topographische Landschaften, Seestücke, Winterszenen usw.
Mit dem 18. Jahrhundert ließ zwar das Interesse an der Landschaftsmalerei bei Sammlern und Liebhabern nach, es wuchs aber die Nachfrage nach topographisch genauen Darstellungen bestimmter Orte. Zu nennen sind hier die venezianischen Vedutenmaler, wie Bernardo Bellotto, genannt Canaletto.
Im 19. Jahrhundert kündigte sich in der bildenden Kunst sowohl eine neue Einstellung zu einem subjektiven Erleben der Welt an als auch eine Wandlung in der Wahrnehmung von Erscheinungen, wie es sich in Bildern eines William Turner oder Caspar David Friedrich zeigt.
Der Paradigmenwechsel der Moderne wird nicht zuletzt in der Darstellung von Landschaft sichtbar. Später verstärkten sich die Tendenzen zu einer subjektiven Interpretationen der Welt und zur Dominanz einer persönlichen Handschrift, wie es sich in den expressiven Landschaften eines Paul Cezanne oder Vincent van Gogh, zeigt sowie einer vermehrten Vielfalt künstlerischer Perspektiven, ein Kennzeichen der Malerei der Moderne.
Die Landschaftsmalerei des 20. Jahrhunderts bietet dem Betrachter ein eben so facettenreiches Bild von verwirrender Vielfalt wie die Kunst der Gegenwart überhaupt. Die Landschaft in den unterschiedlichen Konzepten der Künstler ist grundsätzlich zur Disposition gestellt.
Die Spannweite der Auseinandersetzung mit dem Phänomen Landschaft reicht von spätimpressionistischen Bildern, über die Suche nach unverfälschter und berührter Natur bis zu romantisierenden oder idealisieren Vorstellungen. Landschaft wird abstrahiert und fotografiert.
Eine Auswahl dieser Möglichkeiten, wie Künstler hier in Meißen heute, Landschaft spüren und wiedergeben, ist hier in unserer Ausstellung im Kunstverein zu sehen.
Eine Vielzahl unterschiedlicher Ansätze und Rezeptionen von Landschaft und auch von Kunst.
Ich danke allen Künstlern, die sich an dieser Ausstellung beteiligt haben, für die schnelle und unkomplizierte Mitarbeit. Ich freue mich über den großen Andrang und der großen Zahl an Bildern, die in den letzten Tagen hierher gebracht wurden.
Natürlich können nicht alle Bilder gezeigt werden, dafür reicht der Platz in unserem kleinen Ausstellungsraum nicht aus. Ich danke den Künstlern für ihr Verständnis.
Ein großes Dankeschön geht ebenfalls an Familie Grille, die mit ihrem unermüdlichen Einsatz den Kunstverein stützen und am Laufen halten.
Ebenso möchte ich Else Gold und Karen Roßki danken, die die Ausstellung mit vorbereitet haben.
Daniel Bahrmann